Erklär mir Stille

Interview mit Co-Leiterin Regula Schelling

1. Erkläre mir Stille!

Stille ist für mich von Gegensätzen geprägt und deshalb auch ein Rätsel. In der Stille ist man ganz bei sich und gleichzeitig ist die Wahrnehmung der Aussenwelt enorm geschärft. Erling Kagge hat den schönen Satz geschrieben: „Allow the world to vanish when you go into it.“ Stille ist für mich nicht Rückzug und auch nicht unbedingt Abwesenheit von Geräusch, es ist vielmehr ein kompromissloses In-der-Welt-Sein.

2. Wie politisch ist Stille?

Wie kann ich politisch sein, ohne die Spielregeln derer anzunehmen, die an der Macht sind? Muss Widerstand noch lauter, noch unverschämter sein? Verschwindet man sonst und lässt andere für sich sprechen? Ein inspirierendes Beispiel für politische Stille ist die Silent Parade von 1917 in New York, als über 10’000 Afroamerikaner*innen gegen die schreckliche Gewalt an schwarzen Menschen demonstrierten – in vollkommener Stille.

3. Gibt es bestimmte Erinnerungen, die Du mit Stille verbindest?

Die Geburt meiner Tochter. Absolute Konzentration beim Tanzen, wenn alles rundum verschwindet. Gesang in einer kleinen Bergkapelle. Auf einem Pferd mitten in der kirgisischen Berglandschaft, ohne eine Spur von menschlichem Leben.

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